Die neue ISO 9001:2026: Was Geschäftsführung und Managementsystembeauftragte jetzt wissen müssen





ISO 9001:2026 – Was Geschäftsführer jetzt wissen müssen | HAHN & PARTNER


Die ISO 9001 – weltweit meistgenutzte Norm für Qualitätsmanagementsysteme – wird erstmals seit 2015 umfassend überarbeitet. Der Draft International Standard (DIS) liegt seit August 2025 vor. Die finale Norm erscheint voraussichtlich im November 2026. Was ändert sich konkret, was bleibt – und welche Schritte sollten Sie als Geschäftsführung jetzt einleiten?

Wo stehen wir? – Der Revisionsfahrplan

Der offizielle Entwurf ISO/DIS 9001:2025 wurde am 27. August 2025 veröffentlicht und markiert den Startschuss für die internationale Kommentierungsphase. Gemäß aktuellem Zeitplan folgte im Mai 2026 der Final Draft International Standard (FDIS), bevor die Norm als ISO 9001:2026 im September 2026 erscheint. Der Entwurf der DIN EN ISO erfolgt nach heutigem Stand im November 2026.

DIS veröffentlicht
Aug. 2025
FDIS eingereicht
April 2026
Finale Norm
November 2026
Übergangsfrist
bis ca. Herbst 2029

Hinweis zur Übergangsfrist: Das International Accreditation Forum (IAF) legt die verbindliche Übergangsfrist nach Normveröffentlichung fest. Bei früheren Revisionen betrug sie drei Jahre. Bestehende ISO 9001:2015-Zertifikate müssten demnach spätestens bis Herbst 2029 auf die neue Version umgestellt sein.

Kontinuität und Wandel – Das Wesentliche auf einen Blick

Die ISO 9001:2026 ist keine Neufassung, sondern eine gezielte Weiterentwicklung. Bewährte Grundprinzipien bleiben erhalten; neue Themenschwerpunkte werden strukturierter eingebettet und klarer formuliert.

Unverändert bleibt

  • Harmonized Structure (Annex SL)
  • 7 Grundsätze des Qualitätsmanagements
  • Prozessorientierter Ansatz
  • PDCA-Zyklus
  • Risikobasiertes Denken

Neu und erweitert

  • Klimawandel als Kontextfaktor
  • Qualitätskultur & ethisches Verhalten
  • Differenzierteres Risiko- & Chancenmanagement
  • Erweiterte Planung von Änderungen
  • Fokus auf Resilienz & Digitalisierung

Die wichtigsten Änderungen im Detail

AbschnittThemaKernänderungStatus
4.1Kontext der OrganisationKlimawandel als potenziell relevantes externes Thema; „politische“ und „umweltbezogene“ Aspekte ergänztNeu
4.2Interessierte ParteienOrganisation muss bestimmen, welche Anforderungen relevanter Parteien das QMS adressieren soll (neuer Punkt c)Neu
5.1.1Führung & VerpflichtungOberste Leitung muss aktiv eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördern (neuer Unterpunkt i)Neu
5.2.1QualitätspolitikKontext der Organisation und strategische Ausrichtung bei der Qualitätspolitik explizit zu berücksichtigenPräzisiert
6.1.2 / 6.1.3Risiken & ChancenTrennung in zwei eigene Unterabschnitte; schärfere Analyse- und Bewertungspflicht für Risiken und Chancen getrenntNeu
6.3Planung von ÄnderungenDrei neue Anforderungen: Überwachung der Wirksamkeit (e), Kommunikation der Änderungen (f), Überprüfung der Ergebnisse (g)Neu
7.1.3InfrastrukturAnforderungen gelten explizit für alle Arbeitsformen: vor Ort, remote und hybridPräzisiert
7.3BewusstseinAlle unter Aufsicht tätigen Personen müssen der Qualitätskultur und dem ethischen Verhalten bewusst sein (neuer Punkt e)Neu
8.xDokumentation / BetriebDokumentierte Information muss „als Nachweis verfügbar“ sein (statt „aufbewahrt“) – Fokus auf WirksamkeitsnachweisPräzisiert
9.1.2KundenzufriedenheitNeuformulierung: Informationsquellen statt Wahrnehmungsbeispiele; Überwachungspflicht klarer gefasstPräzisiert
9.2.2Internes AuditUnterabschnitt erhält Titel „Internes Auditprogramm“; Anforderungen konkretisiert und umgestelltPräzisiert
10.1VerbesserungUmbenennung in „Fortlaufende Verbesserung“; Kapitel 10.3 entfällt – Inhalt in 10.1 integriertPräzisiert

Quellen: DIN EN ISO 9001:2025-09 – Entwurf (22.08.2025); DQS Gegenüberstellung ISO 9001:2015 vs. DIN EN ISO 9001:2025-09 (Jan. 2026); TÜV SÜD; TÜV NORD; DNV; Bureau Veritas; LRQA

Drei strategische Schwerpunkte für die Unternehmensführung

1. Qualitätskultur und ethisches Verhalten

Erstmals fordert die Norm explizit, dass die oberste Leitung eine Qualitätskultur aktiv fördert. Auditoren werden künftig prüfen, wie diese Kultur in Prozessen, Werten und gelebter Praxis verankert ist. Für Geschäftsführer bedeutet das: Qualität ist Chefsache – nicht nur Aufgabe des QM-Beauftragten.

2. Klimawandel als Kontextfaktor

Unternehmen müssen bewerten, ob der Klimawandel für ihr QMS relevant ist. Es geht nicht um Umweltschutzmaßnahmen, sondern um die Frage: Kann der Klimawandel die Qualität unserer Produkte oder Dienstleistungen beeinflussen – etwa durch Lieferkettenunterbrechungen, Extremwetter oder veränderte Rohstoffverfügbarkeit? Das Ergebnis – auch ein begründetes Nein – ist zu dokumentieren.

3. Chancen aktiv managen

Chancen erhalten durch die strukturelle Trennung von Risiken einen eigenen Stellenwert. Unternehmen sind nun explizit gefordert, Chancen nicht nur zu identifizieren, sondern strukturiert zu analysieren und zu bewerten – ein Impuls, der in der Praxis bislang oft zu kurz kommt.

Fünf Handlungsempfehlungen für Geschäftsführer

  1. Gap-Analyse einleiten: Vergleichen Sie Ihr bestehendes QMS mit den DIS-Anforderungen. Identifizieren Sie Handlungsbedarf in Prozessen, Dokumenten und Verantwortlichkeiten – insbesondere zu Qualitätskultur, Klimawandel und Chancenmanagement.
  2. Qualitätskultur strategisch verankern: Prüfen Sie, wie Qualitätswerte und ethisches Verhalten in Ihrer Organisation gelebt werden – und dokumentieren Sie dies so, dass es im Audit nachvollziehbar darstellbar ist.
  3. Klimawandel-Relevanz bewerten: Führen Sie eine strukturierte Bewertung durch, ob und wie der Klimawandel Ihre Lieferkette, Ihren Standort oder Ihre Produktion beeinflussen kann. Das dokumentierte Ergebnis ist Normerfordernis.
  4. Übergangsstrategie mit Zertifizierer abstimmen: Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Zertifizierungsstelle über den Übergangsaudit – idealerweise im Kontext Ihres nächsten Rezertifizierungsaudits.
  5. Revision im Blick behalten: Da bis zur finalen Norm noch Änderungen möglich sind, empfiehlt sich ein regelmäßiger Blick auf offizielle Quellen: iso.org, din.de und Ihre Zertifizierungsstelle.

6. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

►  Muss mein Unternehmen sofort handeln?

Nein – akuter Handlungsdruck besteht noch nicht. Die finale Norm erscheint voraussichtlich erst im November 2026, danach beginnt eine Übergangsfrist von voraussichtlich drei Jahren. Empfehlenswert ist jedoch, jetzt eine erste Gap-Analyse durchzuführen und den Übergang strukturiert zu planen, um spätere Hektik zu vermeiden.

►  Bleibt mein bestehendes ISO 9001:2015-Zertifikat gültig?

Ja – bis zum Ende der Übergangsfrist. Ihr Zertifikat bleibt bis zu seinem Ablaufdatum gültig; jährliche Überwachungsaudits finden wie gewohnt statt. Nach Veröffentlichung der neuen Norm wird das International Accreditation Forum (IAF) die verbindliche Übergangsfrist festlegen. Auf Basis früherer Revisionen sind drei Jahre zu erwarten, d. h. voraussichtlich bis Herbst 2029.

►  Was bedeutet „Qualitätskultur“ konkret im Audit?

Auditoren werden künftig nicht nur prüfen, ob Prozesse dokumentiert sind, sondern ob Qualitätswerte und ethisches Verhalten im Unternehmen tatsächlich gelebt werden – etwa durch Schulungen, Kommunikationsformate, Zielsysteme oder Verhaltensrichtlinien. Eine schriftlich fixierte Qualitätskultur-Erklärung sowie konkrete Nachweise der Umsetzung (z. B. Schulungsnachweise, Mitarbeiterbefragungen) sind empfehlenswert.

►  Was passiert, wenn mein Unternehmen den Klimawandel als nicht relevant bewertet?

Das ist zulässig – auch ein begründetes Nein erfüllt die Norm. Entscheidend ist, dass die Bewertung dokumentiert und nachvollziehbar ist. Die Norm fragt nicht nach Umweltschutzmaßnahmen, sondern danach, ob klimabedingte Veränderungen (z. B. Lieferkettenrisiken, Extremwetterereignisse) die Qualität Ihrer Produkte oder Dienstleistungen beeinflussen könnten.

►  Wann ist der beste Zeitpunkt für das Übergangsaudit?

Am effizientesten ist die Umstellung beim nächsten Rezertifizierungsaudit – das spart zusätzliche Audit-Aufwände. Möglich ist der Wechsel aber auch im Rahmen eines Überwachungsaudits. Stimmen Sie den Zeitplan frühzeitig mit Ihrer Zertifizierungsstelle ab, damit der Übergang rechtzeitig vor Ablauf Ihrer bestehenden Zertifizierung abgeschlossen ist.

Fazit

Die ISO 9001:2026 ist eine Evolution, keine Revolution. Wer sein QMS bereits nach dem Geist der ISO 9001:2015 gelebt hat – risikobasiert, prozessorientiert und kundenorientiert -, wird moderate Anpassungen vornehmen. Neu ist der explizite Fokus auf Qualitätskultur, ethisches Verhalten und Klimawandel als Kontextfaktor.

Für die Geschäftsführung gilt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine strukturierte Bestandsaufnahme – ohne Aktionismus, aber mit klarem Plan für den Übergang bis spätestens Herbst 2029. HAHN & PARTNER begleitet Sie von der Gap-Analyse bis zum erfolgreichen Übergangsaudit.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung verfasst. Die Inhalte wurden durch uns fachlich geprüft und werden inhaltlich verantwortet.

Quellen und weiterführende Informationen:

DQS GmbH: Gegenüberstellung ISO 9001:2015 vs. DIN EN ISO 9001:2025-09 (Januar 2026) · dqsglobal.com

TÜV SÜD AG: DIN EN ISO 9001:2026 – Alles zur neuen Revision · tuvsud.com

TÜV NORD AG: ISO 9001 Revision – das ändert sich jetzt · tuev-nord.de

DNV: Entwurf der neuen ISO 9001:2026 veröffentlicht · dnv.de  ·  Bureau Veritas · bureauveritas.de

LRQA: ISO 9001 Revision: DIS veröffentlicht · lrqa.com  ·  DIN Media · dinmedia.de

Normentext: DIN EN ISO 9001:2025-09 – Entwurf, Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen (ISO/DIS 9001:2025)


Sebastian Hahn

20. Juli 2026
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